- ANZEIGE -
E-Paper Abo Anmelden

Ressorts

icon-logo

Kolumne

Das grösste Gefängnis …

30.05.2023

Christoph Gysel
Christoph Gysel

Das grösste Gefängnis, in dem Menschen leben, ist die Angst davor, was andere über sie denken.“ Diese Behauptung stammt aus der Karrierebibel von Jochen Mai. Vieles, was wir tun oder lassen, hat darin seinen Grund. Was denken die Leute über mich? Ich erinnere mich an eine Frau, die immer wunderschöne Blumen an ihrem Balkon hatte. Als ich ihr dafür ein Kompliment machte, sagte sie, eigentlich habe sie keine Freude an Blumen. Aber was wohl die Nachbarn denken würden, wenn sie als einzige Mieterin keinen Blumenschmuck hätte.

Schon als Kind bekommt man beigebracht, wie man sich zu verhalten hat. Die Leute sollen gut von uns denken. Deshalb ist man bemüht, es allen recht zu machen. Manche haben morgens schon Stress vor dem Kleiderschrank. Was ziehe ich an? Es soll elegant sein, doch die Arbeitskolleginnen sollen nicht merken, dass ich das Kleidungsstück erst kürzlich getragen habe.

Was denken die Leute über mich? Ein Kollege von mir wäscht das Auto regelmässig wegen der Nachbarn. Er will als gepflegt wahrgenommen werden. Ein Landpfarrer installierte in seinem Büro eine Schaltuhr. Pünktlich um halb sechs ging das Licht an. Die Bauern im Dorf sollten sehen respektive meinen, dass er auch früh mit der Arbeit beginne.

Das Gefängnis der Angst vor dem, was andere über mich denken, kann ich ruhig verlassen. Es verhindert ein freies, glückliches Leben. Vom brasilianischen Erfolgsautor Paulo Coelho stammt der hilfreiche Hinweis: „Was andere Menschen von dir denken, ist nicht dein Problem.“

Und der weise König Salomo stellte schon fest (Sprüche 29,25): „Wer das Urteil der Menschen fürchtet, gerät in ihre Abhängigkeit. Wer dem Herrn vertraut, ist gelassen und sicher.“

Christoph Gysel ist Tourismuspfarrer der Evangelisch-reformierten Kirche des Wallis, Autor und Blogger.

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

IDEA liefert Ihnen aktuelle Informationen und Meinungen aus der christlichen Welt. Mit einer Spende unterstützen Sie unsere Redakteure und unabhängigen Journalismus. Vielen Dank. 

Jetzt spenden.